Einladung zur öffentlichen Lager-Begehung in Möhlau

Flüchtlingsinitiative Möhlau
no lager halle
Ludwigstr. 37
06110 Halle/S.

Tel: 0345/1701242 Fax: 0345/1701241

http://www.ludwigstrasse37.de/nolager
caravan.halle@gmx.net

Einladung zur öffentlichen Lager-Begehung in Möhlau im Landkreis Wittenberg:

Öffentliche Begehung
Das Leben im Lager in Möhlau
vorgestellt von der Flüchtlingsinitative Möhlau

Wann: Samstag, den 11.07.09 von 12 bis 16 Uhr
Wo: Asylbewerberunterkunft, Raguner Str. Möhlau
Veranstalter: Flüchtlingsinitiative Möhlau & no lager halle

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde!

Flüchtlinge im Asyllager in Möhlau, Landkreis Wittenberg veranstalten in
Kooperation mit der Initiative no lager halle eine öffentliche Begehung
des Lagers. Eingeladen dazu sind alle Interessier­ten — Flüchtlinge in
Sachsen-Anhalt, AnwältInnen, JournalistInnen, Gesundheits­expertInnen
und AktivistInnen.

Seit dem 12. April sammeln Flüchtlinge im Lager in Möhlau Unterschriften
unter einem offenen Brief, in welchem sie ihren Protest gegen ihre
Lebensbedingungen öffentlich gemacht haben.

Bei der Begehung am Samstag, dem 11.07.09 sollen Sie bzw. sollt Ihr die
Gelegenheit erhalten, den Ort, an dem Flüchtlinge seit bis zu vierzehn
Jahren leben müssen, in Augenschein zu nehmen. Die BewohnerInnen möchten
ihr ExpertInnen-Wissen über das Leben im Lager weitergeben und
disku­tieren. Von Ihnen/Euch möchten sie eine Einschätzung des Lagers in
Möhlau bekommen und Mög­lichkeiten der Pressearbeit und des Aufbaus
öffentlichen Drucks für die Schließung des Lagers erfahren.

Ziel der öffentlichen Begehung ist eine Art Untersuchungsbericht zur
Situation im Lager in Möhlau.

Des Weiteren entsteht ein Radioworkshop für ein Radiofeature mit
BewohnerInnen des Lagers in Zusammenarbeit mit Radio Corax und eine
filmische Dokumentation ist geplant.

Bei Nachfragen wenden Sie sich / Ihr Euch bitte an den Sprecher der
Flüchtlingsinitiative Möhlau Salomon Wantchoucou 0174/3529066 unter oder
an no lager halle 0345/1701242

Mit freundlichen Grüßen

Flüchtlingsinitiative & no lager halle

Anlage:
1. Lebensgefährlicher rassistischer Brandanschlag auf Flüchtling in
Möhlau (Sachsen-Anhalt)
2. Offener Brief der Flüchtlinge im Lager in Möhlau

Anlage 1

30.06.09, Flüchtlingsinitiative Möhlau

Lebensgefährlicher rassistischer Brandanschlag auf Flüchtling in Möhlau
(Sachsen-Anhalt)

Die Flüchtlingsinitiative Möhlau informiert über andauernde Attacken auf
unschuldige Flüchtlinge in Möhlau.

Um 2 Uhr nachts, Dienstag früh, den 30. Juni wurde ein Flüchtling namens
Azad Murad Hadji aus dem Irak angegriffen und bei lebendigem Leib
angezündet als er um das Gelände des Lagers in Möhlau ging.
Azad liegt gegenwärtig verletzt im Krankenhaus. Die Kriminalpolizei
untersucht den Fall und war um 4 Uhr Dienstag Morgen am Tatort. Von
vielen vorherigen Angriffen wurde bereits berichtet.

Die Flüchtlinge und ihre Kinder im Lager in Möhlau fühlen sich bedroht
und permanent traumatisiert. Die panische Stimmung belastet ihr Leben
Tag für Tag.

Die Flüchtlingsinitiative Möhlau fordert die sofortige Schließung des
Lagers, das vollständig isoliert ist und keinerlei Schutz für harmlose
Flüchtlinge bietet.

Für weiter Informationen wenden sie sich an den Sprecher der
Flüchtlingsinitiative Möhlau Salomon Wantchoucou – 01743529066

--------------------English---------------------

Life threatening racist fire atack on Refugee in Möhlau (Sachsen Anhalt)

The refugee initiative Mölau is informing the press about the ongoing
attacks on innocent refugees living in Möhlau

At arround 2 am yesterday being Tuesday the 30th of june 2009 a refugee
named Azad Murad Hadji from Irak were been attacked and burned alive
here in his Heim Möhlau while he only went to walk around the compound,
to which Azad, the victim is presently at the Hospital.The criminal
police of investigation are presently investigating on the matter and
they arrived in Mölau at about 4am today. A lot of past intimidated
attacks had been reported.

The refugees in Möhlau are feeling insecure and they were been
consistencly traumatized including their innocent children, having the
humour of fear which have a negetive impact to thier days to days lives.

The refugees initiative are calling for the immidiate closure of the
Heim which is quite isolated and had no adequate protection in terms of
protecting innocent refugees.

For more information contact the speaker of the refugees innitiative
Möhlau Salomon Wantchoucou – 01743529066

Anlage 2.
--------------------------------------------------------------------------
Flüchtlinge im Asylheim Möhlau 12.04.09
c/o no lager
Ludwigstraße 37
06110 Halle
e-mail: caravan.halle@gmx.net

Ausländerbehörde Wittenberg

Offener Brief

Wir Flüchtlinge protestieren gegen unsere Lebensbedingungen im Heim in
Möhlau (Landkreis Wittenberg)

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind Asylbewerberinnen und Asylbewerber aus Benin, China, Kosovo,
Sierra Leone, Syrien und anderen Ländern und sind im Asylheim in Möhlau,
Landkreis Wittenberg, untergebracht. Unsere Lebensbedingungen sind nicht
menschenwürdig und wir leben schon seit bis zu 15 Jahren in der
ehemaligen NVA-Kaserne in Möhlau.

So sieht unser Leben auf dem abgelegenen Kasernengelände in Möhlau aus:

Die Mittel, die uns zum Leben zur Verfügung stehen, liegen dauerhaft
unterhalb des Existenzminimums.
Wir können uns nicht frei bewegen.
Wir haben keine Perspektive und können uns auch keine erarbeiten.
Die medizinische Versorgung ist absolut unzureichend.
Unser Familienleben wird schwer beeinträchtigt.
Wir werden zur Zielscheibe rassistischer und rechtsextremer Übergriffe.
Die Ausländerbehörde scheint nur ein Ziel zu verfolgen, nämlich unsere
Abschiebung.

Im Einzelnen:

Für den Lebensunterhalt bekommen die meisten von uns monatlich 2
Gutscheine à 66 Euro, die jeweils auf einmal eingelöst werden müssen,
und zwar in vorgeschriebenen Supermärkten (Kaufland in Dessau, Penny),
sowie monatlich 20 Euro Taschengeld. Dies gilt für Alleinstehende — eine
Mutter und ihre jugendliche Tochter erhalten z.B. zusammen monatlich nur
30 Euro Taschengeld.Die wenigen, die ihren Lebensunterhalt in bar
erhalten, sind ständig davon bedroht, bei der kleinsten Verfehlung
ebenfalls nur noch Gutscheine plus Taschengeld zu bekommen.

Von Möhlau aus gibt es nur eine einzige öffentliche Verkehrsverbindung,
nämlich einen Bus, der morgens und nachmittags fährt (für die Kinder der
Schulbus). Ansonsten müssen wir mit dem Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen.
Urlaubsscheine, d.h. Genehmigungen zum Verlassen des vorgeschriebenen
Aufenthaltsbereiches z.B. für Besuche bei Familie und Freunden, werden
nicht erteilt. Bei nicht genehmigten Reisen werden unter Umständen 300
Euro Bußgeld fällig.

Die Duldung (Aussetzung der Abschiebung aufgrund von
Abschiebehindernissen) wird nur für jeweils drei Monate erteilt. Dies
versetzt uns in einen Zustand dauerhafter Unsicherheit. Eine Wohnung und
eine Arbeit zu finden ist unter diesen Umständen sowieso kaum möglich.

Allerdings hat auch niemand von uns eine Arbeitserlaubnis.

Wenn ein Arztbesuch nötig ist, muss folgende Prozedur eingehalten
werden: Zuerst muss beim Arzt ein Termin vereinbart werden. Dann muss
dieser Termin dem Sozialarbeiter im Lager mitgeteilt werden. Dieser
stellt bei der Ausländerbehörde einen Antrag. Die Bewilligung dauert
mindestens 3 bis 4 Tage und gilt nur an diesem einen Tag, für den der
Termin vereinbart wurde. Bei akuten Fällen dauert das zu lange, sodass
wir Flüchtlinge selbst bezahlen müssten, was wir nicht können, sodass
die Behandlungen nicht stattfinden bzw. Medikamente nicht erworben
werden können (so z.B. bei einer an Diabetes erkrankten Frau).

In mehreren Fällen verhindert die Ausländerbehörde das Zusammenleben von
Familienmitgliedern. Teilweise müssen wir in unterschiedlichen
Asylheimen leben. In anderen Fällen haben jüngere Familienmitglieder
einen Aufenthaltstitel und dürfen ihre Eltern nicht bei sich wohnen
lassen — diese müssen im Asylheim bleiben.

Teilweise werden für hier geborene Kinder keine Geburtsurkunden
ausgestellt (zuständig: Ausländerbehörde und Standesamt).

Aufgrund von rechtsextremen Übergriffen auf Kinder mussten diese die
Schule wechseln. Auch Erwachsene werden Ziel rassistischer Pöbeleien und
Angriffe.

Die Ausländerbehörde verlangt von uns, dass wir Papiere und Dokumente
aus unseren Herkunftsländern beibringen, damit wir einen
Aufenthaltstitel erhalten können. Das müssen wir selbst zahlen, sodass
wir das oft nicht leisten können, und wenn doch, dann wird damit nicht
der Asylantrag bearbeitet, sondern im Gegenteil unsere Abschiebung
vorangetrieben. Mehrere von uns Flüchtlingen haben eine
Ausreiseaufforderung erhalten, andere haben bereits einen Termin für die
Abschiebung. In mehreren Fällen ist die Grundlage dafür das
deutsch-syrische Abschiebeabkommen von Anfang dieses Jahres.

Wir fordern ein normales, menschenwürdiges Leben für Asylbewerberinnen
und Asylbewerber!

Wir wollen in eigenen Wohnungen leben, wir wollen selbst entscheiden,
was und wo wir einkaufen! Wir wollen Bargeld und wir wollen eine
Arbeitserlaubnis, um das Geld selbst zu verdienen.

Wenn wir krank sind, wollen wir direkt zum Arzt gehen können.

Wir wollen mit unserer Familie zusammenleben und Freunde treffen können.
Wir möchten nicht länger isoliert in einer ehemaligen Kaserne leben.

Und wir wollen nicht in die Länder abgeschoben werden, aus denen wir
geflohen sind, weil uns dort Gefahr droht!

Update:

Erfolgreiche öffentliche Begehung
für die Schließung des Lagers in Möhlau


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