„Was ist das?“ – Christoph Waltz im FR-Interview

Christoph Waltz spielt in Quentin TarantinoInglorious Bastards“ in der Hauptrolle den SS-Oberst Hans Landa. Jetzt gab Waltz der Frankfurter Rundschau ein Interview:

Christoph Waltz im Interview mit Martin Scholz:
Scheißegal, wie ich etwas spiele …“, FR vom 22.9.09

Über den Nationalsozialismus gibt es viel „Wissen“ und gäbe es viel zu wissen. Aber mit vermeintlich steigendem „Wissen“, und das ist das Seltsame, scheint auch die Bereitschaft, sich mit der eigenen Geschichte auseinander zu setzen, abzunehmen. Das zeigt sich besonders an dem Eifer nach Authentizität bei Filmproduktionen wie „Der Untergang“. In „Filmri : ss. Studien über den Film ‚Der Untergang‘“ wurde das filmische Mitte der fiktiven Authentizität in diesem „Hitler-ist-Mensch-Spektakel“ durchleuchtet. Deutlich wurde, dass es in „Der Untergang“ nicht um eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ging, sondern um das Produzieren von „authentischem“ Wissen, mit dem deutsche Zuschauer spektakulärer, aufgeregter, „konkreter“ … zu ihren Urteilen kommen konnten wie dem, „Deutsche waren vor allem Opfer“. Die Bernd Eichinger Produktion „Der Untergang“ wurde zu keiner Herausforderung der Kunst, sondern zu einer Herausforderung von Gefühlen, von gefühltem Wissen und „sinnstiftenden Einheiten“ (Alexander Ruoff: Die Renaissance des Historismus in der Populärkultur. In: Filmri : ss.), mit denen „das Leiden anderer missachtet“ (Tanya Ury) werden kann. Inszeniert wurde dieses Deutscheln in zahlreichen Interviews, bei denen zur Steigerung des Spektakels immer etwas Tabuhaftes unterlegt wurde. Darf, kann, sollte man „das Böse“ spielen …? Unfug. Kunstwerke sollte man als Kunstwerke spielen und als Kunstwerke betrachten. Jede ernst gemeinte Auseinandersetzung beginnt mit der Frage: „Was ist das?“ Es gibt nur wenige Versuche dazu, wie den von Thomas Nöske, die „Der Untergang“ als Kunstwerk ernst nahm und damit das Spektakel dekonstruierten. Erst dann kann eine Auseinandersetzung einsetzen. In Talk-Shows verwandelte sich „Der Untergang“ letztlich genau zu dem, wozu dieser Kinoschlager konzipiert wurde: als Peep-Show für gefühlte und sinnstiftende Geschichte.

Völlig anders verhält sich Christoph Waltz im FR-Interview: „Wenn ein Schauspieler anfängt, über das zu sprechen, was er macht, hat am Ende weder seine Kunst eine richtige Bedeutung noch der historische Kontext. (…) Da gibt es eine gute Methode, die ich gerne anwende, nämlich zu fragen: Was ist das? Und nicht: Wie mache ich das?“

(w.b.)
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Literatur:

Willi Bischof (Hg.)
Filmri : ss
Studien über den Film „Der Untergang“


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