Wer profitiert von der Kurzarbeit?

[Nachgelesen: Kurz und schmerzhaft: Profiteure der Kurzarbeit. ak 541 vom 21. Aug. 2009]

Wo wird Kurzarbeit eingesetzt?

Zu 10,9 % wird Kurzarbeit im produzierenden Gewerbe eingesetzt und zu 0,8% im Dienstleistungssektor
Insgesamt waren im April 2009 4,1% der Beschäftigten in Kurzarbeit.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) fördert vor allem Großunternehmen. Seit Juni werden die Sozialleistungen nicht nur für alle Kurzarbeiter_innen ab dem 6. Monat komplett von der BA übernommen, sondern auch für die Betriebsteile, die nicht in Kurzarbeit sind. Seit Oktober sind 3.07 Mio. Beschäftigte in 110.000 Betreiben betroffen.

Kurzarbeit spaltet die Belegschaften und Kurzarbeiter_innen zahlen für die Krise?

Wie den Beschäftigten im Dienstleistungssektor, so existiert vor allem für die Leiharbeiter_innen das Instrument Kurzarbeit fast überhaupt nicht. Mit dem Mittel der Kurzarbeit wird somit die Spaltung innerhalb der Betriebe zu gespitzt.

Neben der Spaltung dient die Kurzarbeit massives Mittel zur Lohnsenkung. „Kurzarbeit hebelt Tariferhöhungen aus“, schreibt das (Handelsblatt).

„Während die Tariflöhne im ersten Quartal 2009 inflationsbereinigt um durchschnittlich 2,1% stiegen, sind die tatsächlich gezahlten Bruttolöhne um 0,4% gesunken. Ein wesentlicher Grund dafrü ist, dass die tatsächlich bezahlte Wochenarbeitszeit im verarbeitenden Gewerbe in Folge der Kurzarbeit im Durchschnitt um 4,2% auf 36,2 Stunden gesunken ist. Der tarifliche Anstieg der Grundvergütungen ist dadurch erhelich überkompensiert worden, Der DGB spricht davon, dass jedeR KurzarbeiterIn bei einer durchschnittlichen Zwangsreduktion der Arbeitszeit um 35% im Schnitt 210 Euro weniger in der Tasche hat“, schreibt der ak. So hätten die Kurzarbeiter_innen bis Mitte 2009 auf 200 Mio. Euro ihres Einkommens verzichten müssen. Hinzu kommen spezielle Krisentarife, die das Einkommen senken.

Wer wird subventioniert und wer sind die Gewinner?

Angesichts der Anträge von Golfclubs und bettelnden Eissportvereinen scheint der Kurzarbeitsantrag schon zum Volkssport geworden zu sein. Diese Mentalität zeigt sich jedoch besonders bei der Dreistigkeit von Unternehmen, die als Schutzschirm für die Beschäftigten verkaufte Subvention durch die Bundesagentur für Arbeit durch Trickserei abzuzocken. ak: „Trotz Kurzarbeit werden – bei Manipulation der Zeiterfassungssysteme – Beschäftigte dennoch zur Vollzeitarbeit geschickt, oder es wird weitergearbeitet, obwohl in der Kurzarbeit Qualifizierungsmittel beantragt worden sind.“ Staatsanwaltschaften ermittelt zwar gegen insgesamt 98 Betrieben, aber die Bundesagentur für Arbeit geht von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Deutlich vermittelt die Bundesagentur für Arbeit, dass bei der Antragsflut häufig nicht mehr geprüft werden könne.

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Siehe auch:
Unrast Bücher zur Krise Eine Titelauswahl mit Analysen zum aktuellen Notstand, ihren Hintergründen und Kämpfen, zu Fragen des Widerstandes und der Suche nach Alternativen.


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