nein, nein, das ist … eine Skandalbuchmesse Frankfurt 2009

Deutschland, China und der totalitär neoliberale Weltmarkt
Anmerkungen zur Skandalbuchmesse Frankfurt 2009

von kritische masse

nein, das ist:

… keine Öffentlichkeit

Die Buchmesse und PEN laden auf dem China-Symposium am Wochenende in Frankfurt ihre kritischen Gäste aus (Siehe FR). Wie schon aus der Vergangenheit gewohnt, orientiert sich die Buchmesse an den herrschenden Sichtweisen der jeweilig eingeladenen Nation. Kritische Stimmen werden hingegen an den Rand gestellt oder wie am Wochenende ausgeladen.
China und das Verhältnis Deutschland China hat viele Seiten, Fragen und Themen, die in die Öffentlichkeit gehören würden.

China kennt keine freie Presse und kein freies Internet. Aber auch in Deutschland schreitet die Zensur des Internets mächtig voran. Die Buchmesse wäre ein Ort, an dem dagegen demonstriert werden könnte.

In China gibt es das Recht auf gewerkschaftlichen oder politischen Zusammenschluss nicht. Der Staatskapitalismus in China ist nach innen repressiv und nach außen imperialistisch. China unterstützt Nord-Korea. In China deckt mit seinem UN-Veto den Völkermord in der Region Darfur. Jährlich richtet China Tausende Menschen hin.

nicht sozial

Deutschland profitiert von der Ausbeutung in Chinas Weltmarktfabriken. Die zahlreichen Streiks und Demonstrationen werden hierzulande ausgeblendet. Stattdessen boomt noch immer beim Exportweltmeister Deutschland die Ideologie vom totalitären neoliberalen Weltmarkt.
Ein Markt funktioniert, weil er mal mehr mal weniger Menschen ausschließt. Dieser Markt bedient die Menschen nicht einmal mit ihren notwendigsten Bedürfnissen. Tatsächlich sind Milliarden Menschen völlig vom Weltmarkt abgeschnitten. Weltweit werden Grundbedürfnisse wie Wasser zum Markt getragen und die natürliche Selbstversorgung im Namen des Marktes verhindert, verboten, zerstört. Die Buchmesse wäre ein Ort, an dem dagegen demonstriert werden könnte.

… keine Meinungsfreiheit
Die Buchmesse und der PEN laden nicht nur ihre kritischen Gäste aus. Trotz Bücher, Zeitungen und Internet im Überfluss auf dem neoliberalen Markt, ist der größte Teil der Menschheit noch immer ohne Stimme. Sie haben dazu weder einen Zugang noch wird nach ihren Stimmen gefragt. Die schöne neue Welt der Bücher und des Internets bleibt für sie ein Lügenmärchen aus der Welt der Waren, in der sich Kreativität vor allem in ihrer Vielfalt der Zerstörung von Natur und Menschen beweist.

… nicht die Geschichte
Deutschland China hat eine Geschichte, die weiterhin exotisiert wird. Es gibt nur wenige Bücher, die an den deutschen Kolonialismus erinnern, an den Boxeraufstand, an die Ausbeutung kolonialer chinesischer Migranten im deutschen Reich, an die Schrecken der Achsenmacht Japan

… nicht der Konflikt
China und ihrer extrem kapitalistischen Einparteiendiktatur gelingt es, von den sozialen und wirtschaftlichen Krisen durch Ethnisierung des Konflikts abzulenken. Deutschland unterstützt diesen Prozess. Im Mittelpunkt des Politik- und Medieninteresses stehen die Unterdrückung buddhistischer Tibeter und muslimischer Uguren, ohne dass die wesentlichen Ursachen und Hintergründe für diese Unterdrückung thematisiert werden. Eine Beachtung der Aufstände und deren Ursachen würde den nicht existierenden Weltmarkt, der Menschen abschottet und verelendet aber Profite grenzenlos macht, weltweit in Frage stellen.
Ausgeblendet wird auch die Unterstützung Nord-Koreas durch die VR China. Nordkoreanische Flüchtlinge werden in China in die Illegalität gezwungen, ausgebeutet und prostituiert. Die Menschen in Nordkorea brauchen Unterstützung und China muss für seine Unterstützung Nordkoreas angeklagt werden.

nein, nein, das ist nicht der Kommunismus
China ist alles andere, als kommunistisch. Die kommunistische Geschichte Chinas, wie die Geschichte des Kommunismus generell, muss aufgearbeitet werden, wenn es eine kommunistische Zukunft geben soll. „Die bergende Arbeit an der Geschichte ist … eine Arbeit der Trauer“ (Bini Adamczak: gestern morgen. Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft.)

Literaturtipps:

Im September 2008 beim Verlag Assoziation A erschienen:
dagongmei. Arbeiterinnen aus Chinas Weltmarktfabriken erzählen
von Pun Ngai und Li Wanwei

»Unsere Opfer zählen nicht«
Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg
Hrg. von Recherche International e.V.
Assoziation A

Zum notwendigem Umgang mit der Geschichte des Kommunismus in der Linken:
Bini Adamczak
GESTERN MORGEN
Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft

Links zu Nord-Kora/China:
Nord Korea (ai)
Protestaktion für nordkoreanische Flüchtlinge in China
Flucht vor Hungertod – Amnesry München
Flucht vor dem Geliebten Führer – Spiegel


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