Ein offener Diskussionsbeitrag von kritische masse
In den zahllosen Diskussion um die Öffnung der Piraten für das antidemokratische Medien „Junge Freiheit“ zeigte sich eine größere Verunsicherung einerseits und Naivität andererseits in der Frage, wie mit Rechten im Internet umgegangen werden kann. Das ist für mich der Anlass, bislang gemachte Erfahrungen aus der Wikipedia, in der Bloggerszene und in Medienforen in einem kurzen Überblick zusammen zutragen.
Was sind Rechte?
Rechte vertreten menschenverachtende Meinungen. Sie haben kein Problem mit Ausgrenzung. Sie verteidigen Strukturen, Ereignisse und Dinge, die andere Menschen unterdrücken, ausbeuten und herabwürdigen. Rechte vertreten diese Positionen, weil sie von der Ausgrenzung und von ungerechten Verhältnissen profitieren wollen. Ob sich Rechte dabei „demokratisch“, „liberal“, „frei“, „unpolitische“ oder gar „irgendwie links“ nennen, ist egal.
Woran erkenne ich Rechte im Internet?
Rechte vertragen keine Kritik. Rechte rechtfertigen Unrecht mit allen Mitteln, die sich ihnen anbieten oder die ihnen als geeignet erscheinen. Sie suchen nicht die Auseinandersetzung, um zu lernen, sondern um für ihre Botschaften auch in der Mitte der Gesellschaft Stimmung zu machen, sie dort wachzurufen und zu verankern. Rechte sind an einer Analyse der Verhältnisse nicht interessiert, sondern zielen auf eine Deutungshoheit, die bestimmt, was „wahr“, „richtig“ oder „falsch“ ist.
Warum scheint es schwierig zu sein, Rechte zu erkennen?
Wer andere Menschen ausgrenzt, unterdrückt und herabwürdigt, der verspricht sich davon einen Profit für sich selbst.
Rechte wollen nicht ausgegrenzt sein, sondern ungestört ihre Vorteile ausleben. Dazu brauchen sie die Akzeptanz oder zumindest Toleranz von allen Seiten. Und sie möchten sich nicht vorhalten lassen, dass sie von den ungerechten Verhältnissen profitieren.
Rechte treten selten offen auf.
Weil Rechte von ihrer Position weiterhin profitieren wollen, müssen sie ihre menschenverachtenden Positionen tarnen, kaschieren, als positiv oder gerechtfertigt verkaufen und brauchen Zustimmung oder beschwören Einrichtungen (wie ein Gott, Nation, Saat, Markt …), die ihre Interessen scheinbar oder tatsächlich legitimieren.
Wie lassen sich Rechte enttarnen?
Rechte tauchen, wenn sie nicht allein unter sich sind, selten als offensichtliche Frauenhasser, Judenhasser, Rassisten, Marktradikale etc. auf.
Sie wissen, dass es nicht gut ankommt, wenn sie in der Öffentlichkeit offen ihren Hass ausleben oder ihre Herrenrechte genießen wollen. Diejenigen, die es trotzdem versuchen, sind ja schnell erkannt. Sie erscheinen als unangenehm und meistens reicht es ihnen, mal hier oder dort kurz ihren Schmutz abzugeben. Ein deutlichtes Merkmal für Rechte sind ihre einfachen Erklärungen und die Weigerung Kritik und Analysen zu akzeptieren.
Rechte sind nicht grundlos rechts und suchen nach einfachen Erklärungen, mit denen sie ihre Privilegien und ihren Hass verteidigen.
Rechte suchen also nach einfachen Weltbildern und begründen ihre Position mit einfachen Mitteln. Schlichte Mittel wie Mythen, Glaubensbekenntnisse, Sachzwänge, oberflächliche Bilder.
An diesen oberflächlichen Bildern sind sie am einfachsten und am schwierigsten zu erkennen, den einfache Bilder sind solche, die weit in der Gesellschaft verbreitet sind, weil sie eine schnelle und einfache Erklärung bieten. Das sind sogenannte Kollektivsymbole. Eigentlich komplizierte Sachverhalte werden mit Bildern, die in unserer Kultur tief verankert sind, erklärt. Dabei kommen dann Redewendungen aus dem Alltag heraus, die scheinbar jeder versteht und mit denen man sich schon ganz unbewusst leicht identifiziert – sprich: es sind keine Bilder, die zum Nachdenken und zur Kritik einladen. Beliebt sind dabei Motive aus dem Verkehr, Bilder aus der Medizin, Bilder aus dem Sport … („Das Boot ist voll“, „Bazillus“, „Extremisten“, „Uboot“, „der Zug entgleißt“, „unnormal“ …). Da diese einfache Sprache in den Medien, zum Beispiel bei jedem Fußballbericht, sehr verbreitet ist, haben wir uns an solche Erklärungsmuster gewöhnt.
Unrecht als normal verkaufen.
Wir sind es aus der Politik gewöhnt, dass alle „Segnungen“, die jedoch für mal mehr oder weniger Menschen große Einschränkungen und Nachteile bedeuten, als allgemein gewünscht verkauft werden. Um zu definieren, was allgemein erwünscht ist, wird alles in „normal“ und „extrem“ eingeteilt (Deutungshoheit). Wer etwas kritisiert, weil er zurecht sich oder andere benachteiligt sieht, wird als „nicht normal“, also als „extrem“ eingestuft. Das ist dann „krank“ etc. – Auch daran können sich Rechte anschließen, wenn sie ihren Hass rechtfertigen wollen. Das passiert zum Beispiel, wenn Antisemiten vom „raffenden“ Kapital (der „Finanzjude“) und „schaffenden“ Kapital (der „anständige“ Fabrikbesitzer) reden. Es ist also „normal“ „anständig“ zu sein. Ob Kapitalismus überhaupt „anständig“ sein kann, wird damit nicht mehr hinterfragt. Für die menschenverachtenden Auswirkungen des Kapitalismus, unter denen Milliarden von Menschen den Kapitalismus als Killerspiel erfahren, wird damit eine einfache Erklärung geliefert: „Schuld sind die Juden“. Über den Kapitalismus muss dann nicht mehr geredet werden. Auch wenn bei den aktuellen Krisen kaum mehr solche eindeutigen und offenen antisemitischen Erklärungen ernstgenommen werden, ist dieses Bild so einfach, dass zur Rechtfertigung des Kapitalismus immer noch einfache Bilder wie „Realwirtschaft“ angeführt werden. Menschenverachtend wird zum Beispiel das „Recht des Stärkeren“ mit einfachen Mythen verteidigt. Ein Beispiel für die einfache Erklärung dieses Prinzips ist der Mythos vom „freien Markt“. Wer dabei an einen ganz „normalen“ Dorfmarkt denkt, empfindet dieses Bild als etwas sehr Vertrautes, Gemütliches und Normales. Das Milliarden Menschen sich nicht auf einem solch „gemütlichen“ Markt versorgen können, geschweige denn an einem Weltmarkt teilhaben können, lässt sich damit ganz „sachlich“ ausblenden. Das Elend erscheint dann wie eine Naturkatastrophe, weil das Bild vom „Markt“ so fest und vertraut in unserer Kultur verankert ist.
Woran erkenne ich einfache Erklärungen?
Eine Erklärung wird dann nicht einfach, wenn man fragt, wie sind die Dinge oder die Situationen, über die wir reden, entstanden? Wer und was hat diese Geschichte verursacht und entschieden? Wer hat von dieser Geschichte profitiert? Wer und was wurde ausgeschlossen? Wer profitiert heute von dem Ist-Zustand? Wer und was hat ein Interesse, dass diese Zustände so bleiben? …
Rechte Erklärungen betrachten diese Geschichte als einen natürlichen und normalen Prozess oder verschweigen diese Geschichte ganz. So brauchen Nationalisten für ihre Erklärungen Mythen und eine „reine“ Geschichte. Auschwitz hat in einer solchen Geschichte keinen Platz. Wenn sich der Holocaust nicht verleugnen lässt, dann müssen Rechte zumindest diese Geschichte verdrängen und ausblenden. Gelingt dies nicht, so müssen sie die Geschichte verharmlosen, herunterspielen, verbiegen. Das erfordert mehr als lügen. Sie müssen viel und ausgiebig über Dinge reden, die diese Geschichte dann relativieren und sie damit auf eine „normale“ Erklärung bringt. So finden sich in der Jungen Freiheit ständig Ansichten, die nicht die Ideen des Nationalsozialismus schlecht finden, sondern die Umsetzung dieser Ideen wird als falsch oder schlecht dargestellt. Gesucht wird dabei nach möglichst vielen Gründen oder Beispielen die diese Ideen rechtfertigen und entsprechend wird viel über ihre Vertreter geredet und diskutiert. Wenn die Ideen nicht schlecht waren, muss man nur noch den Holocaust überspringen und auf Politiker, Dichter und Denker zurückgreifen, die für diese Ideen standen. Nach der Vorstellung dieser „Konservativen“ (das klingt „normal“) kann Deutschland erst dann wieder stark werden, wenn man an den Ideen vor ihrer Umsetzung im Nationalsozialismus wieder anschließen kann. Besonders entlastend ist es dann, wenn diese Ideen auch bei „Linken“, „Liberalen“, „Demokraten“ und „Konservativen“ gefunden werden können. Dann können, diesen Eindruck möchten sie vermitteln, diese Ideen ja per se nicht schlecht sein.
Was sind die Maschen der Rechten im Internet?
Rechte haben es im Internet besonders einfach, weil einfache Erklärungen schnell konsumiert werden können und niemand Bücher, die den Dingen grundsätzlicher auf den Grund gehen, im Internet ließt. Zudem fehlen viele Vorraussetzungen, die wir im direkten Gegenüber wie im Cafe, in einer Schulklasse, auf der Arbeit, bei einer Veranstaltung haben. Das Internet ist dagegen eine wesentlich anonymere und flüchtigere Veranstaltung.
Vor allem anhand der Umtriebe von Rechten nach den Gesprächen prominenter Piraten mit der Jungen Freiheit möchte ich hier ein paar Beispiele rechter Maschen aufzeigen. Dabei versuche ich, ein paar Erfahrungen aus dem Umgang mit solchen rechten Diskurspiraten und ihren Maschen aufzeigen.
Die unpolitische Masche
Um Kritik, Fragen und unangenehme Reaktionen zu entgehen, behaupten Rechte im Internet, sie sprächen aus einer normalen, demokratischen, freiheitlichen (sic!) oder gar unpolitischen Position. Wenn ihr Fragen, Kritik und Widersprüche habt, so werdet ihr in die linke und politische Ecke gestellt. Ihr könnt dann also ruhig stolz sein, wenn ihr als links oder einfach politisch bezeichnet werdet. Erfolgreich ist diese Masche jedoch, weil Fragen und Kritik generell vielen als unangenehm erscheinen. Auch Menschen, die zuvor noch eindeutige Meinungen zu bestimmten Themen hatten, flüchten bei Kritik häufig in die Ausrede, sie seinen „unpolitisch“ und reagierten wie Rechte reagieren. Tatsächlich müssen sie sich fragen lassen, warum sie plötzlich rechte Positionen verteidigen oder verharmlosen.
Die links=rechts Masche (Eintopftheorie)
Aus Angst, dass die eigene Position als rechts erkannt oder ausgelegt werden könnte, wird Kritik mit links gleichgesetzt und links und rechts gleichgesetzt. Bestärkt wird damit das Bild, man selbst sei ja „unpolitisch“. Wenn eine zu einfache Erklärung sich nicht kritisieren und befragen lassen will, dann beginnt sie unangenehm zu riechen. Also fragt weiter und bleibt bei eurer Kritik. Jeder klar denkende Mensch weiß, dass links ist nicht rechts ist und Äpfel keine Birnen sind.
Die Demokraten-Masche
Wenn wie bei den Piraten es sich nicht vermeiden lässt, von Politik zu reden, so wird von Rechten die Demokratenrolle für sich beansprucht. Bei der Demokraten-Masche wird Demokratie zur Worthülse. Auch hierbei geht es der Abwehr von Kritik darum, letztlich unpolitisch zu erscheinen, denn eine Worthülse lässt sich prima anheften und vereinnahmen, ohne dass der Kritisierte eine eindeutig Position beziehen muss und über Inhalte reden muss.
Die Masche Verschwörungstheorie
Wer nicht auf Kritik reagieren will oder sich auf dem rechen Bein unangenehm erwischt fühlt, reagiert häufig mit Projektionen und Beschwörungen. Statt über die Inhalte zu diskutieren, wird der Kritisierende herabgewürdigt. Seine Fragen und Kritik sollen nicht mehr ernstgenommen werden und muss abgekanzelt werden. So ist es zunehmend beliebt, Kritik schnell als „Verschwörungstheorie“ abzuwehren. Tatsächlich glauben viele Kritisierte, man habe sich gegen sie und ihrer guten Sache verschworen. Die Rede von der „Verschwörungstheorie“ ist dann schlicht eine Projektion eigener unangenehmer Gefühle und soll Fragen und Kritik abwürgen. Lass dich nicht mundtot machen und bestehe darauf, dass über inhaltlich Fragen, Widersprüche und Probleme diskutiert werden muss. Nur Verschwörungstheoretiker selbst haben Angst, den Dingen inhaltlich auf den Grund zu gehen.
Nur bequem? Dumm? – Oder doch rechts?
Rechts ist, wer sich rechts verhält. Wenn du bei einfachen Erklärungen nicht stehen bleiben willst, dann hat derjenige ein Problem, der unbequemen Fragen ausweicht und Kritik nicht akzeptieren möchte.
Worauf kann ich achten?
* Anonymität
Die Anonymität im Internet bietet Rechten die bequemste Position, auf Meinungen Einfluss zu nehmen, ohne sich kritisieren zu lassen. Scheinbar harmlos möglichst unverfänglich verpackt lassen sich die Botschaften als Kommentare in Blogs und Foren platzieren und vervielfältigen. Deshalb ist schon große Skepsis angebracht, wenn man zu einem Kommentar keine Referenzen, wie einen eigenen Blog oder Bezüge zum realen Leben herstellen kann. Anonymität ist im Internet zwar ein sehr berechtigter Schutz, aber sie sollte nicht vor einfachen Erklärungen schützen.
* Zweifelhafte Referenzen
Die Anonymität wird von Rechten auch dazu genutzt, um für rechte Seiten im Internet Werbung zu machen. Gefordert wird, man soll doch erst einmal das Original lesen (leider passiert das auch von vermeintlich „linker“ Seite, so fordert die Endstation Rechts der SPD auf, Mein Kampf und die Junge Freiheit im Original zu lesen – siehe hier). Als Demokrat müsse man mit allen reden … – „Nein“, das musst du in einer demokratischen Gesellschaft ganz bestimmt nicht! Besteh auf deine Position: Keine Toleranz mit Untoleranten und menschenverachtenden Ideengebern und ihren Medien.
* Links antäuschen – rechts abbiegen
Die Rechten wissen, dass sie abgelehnt werden, wenn sie ihre Botschaften direkt und offen aussprechen. Damit man sich mit ihnen möglichst lange beschäftigt, werden oft scheinbar kritische oder linke Positionen vertreten. Auch hier verschwinden Rechte sehr schnell, wenn man genauer nachfragt, was sie denn damit tatsächlich meinen.
* Linke Referenzen
Um das eigene Tun, die eigene Position oder ein rechtes Medium zu verteidigen, wird gerne angeführt, dass dieser oder jener – eigentlich kritische oder jedenfalls renommierte – Mensch schon bei ihnen publiziert habe, mit ihnen geredet habe oder wie bei der Jungen Freiheit, ihren Fragebogen ausgefüllt habe oder bei der Kampagne „Die Freiheit des Andersdenkenden“ unterschrieben („unterstützt“) habe. Das ist ein wesentlicher Grund, warum man nicht mit Rechten reden muss.
* Toleranz- und Opfer-Masche
Damit man mit ihnen und vor allem bei ihnen redet, begeben sich Rechte gerne in die Rolle des Opfers, mit dem man doch reden müsse. Gedroht wird damit, dass man ja selbst intolerant und undemokratische sei, wenn man auf ihre Angebote nicht eingehe. Das Ziel ist eindeutig, hier sollen Unbedarfte für die eigenen Zwecke instrumentalisiert werden.
* Kritik entwerten – „Einzelmeinung“
Rechte outen sich oft, wenn sie die Kritik versuchen zu diskreditieren und herabzusetzen. Dazu bemühen sie viele Strategien, um Kritik und auch die Belege für die Kritik zu entschärfen. Oft wird versucht, die Kritik als Einzelmeinung abzutun. Wird ein Fachbuch angeführt, so sei das lediglich die Meinung eines Autors. Behauptet wird oft dreist, die Kritik sei nicht wissenschaftlich. Stammt die Kritik von Wissenschaftlern, so wird der ganze Wissenschaftsbereich angegriffen. Das sei doch nur die Meinung von Soziologen, Politologen etc. Gelingt es Rechten nicht, die Kritik zu entwerten, wird oft der Vorfall für die Kritik heruntergespielt. Die kritisierten Vorfälle seien lediglich Ausnahmen gewesen. Wem es um eine inhaltliche Auseinandersetzung ernst ist, der interessiert sich für jede Frage und ist offen für Kritik. Macht das deutlich und lasst euch nicht einwickeln und abspeisen. Wer zu Problemen und Unrecht nicht Stellung beziehen will, der beteiligt sich am Bestehen dieser Verhältnisse und will in irgendeiner From von ihnen profitieren.
* Ausnutzen gesellschaftlicher Widersprüche
Rechte suchen für die Abwehr von Kritik nach Widersprüchen in der „anerkannten“ Gesellschaft, in der Wissenschaft und in der Politik. Ein Politiker einer anerkannten Partei habe dasselbe gesagt. Auch selbst prominente Personen hätten ihrer Zeitung ein Interview gegeben. Es gäbe keine wissenschaftliche Einigkeit zu der Frage von zum Beispiel rassistischen Theorien zur Intelligenz. Rechte seien nicht anders zu behandeln als Linke. Dabei scheuen sie nicht den Verweis auf die tatsächlich undifferenzierte Behandlung von Linken und Rechten in den Extremismustheorien und bei den Staats- und Verfassungsschützern. Diese Theorein stammen zwar noch aus dem Kalten Krieg, in denen Alt-Nazis für den staatlichen Antikommunismus rekrutiert wurden, aber auch die etablierten Parteien nutzen dieses Mittel der Abwehr gegen Kritik weiterhin gern, um auf gesellschaftliche Konflikte nicht reagieren zu müssen. Rechte springen hier auf die Züge auf, die in Politik und Medien noch immer breit und undifferenziert genutzt werden. Im Kern handelt es sich bei den rechten Diskurstricks aber schlicht um eine Verweigerungshaltung, mit der ihre Diskurse verteidigt werden sollen.
Es gibt also viele Möglichkeiten, um Rechte an ihrem Diskussionsverhalten und ihrer Argumentation zu erkennen, auch wenn sie nicht direkt zum Hass aufrufen.
Was kann ich tun?
Ich beginne hier eine kleine Liste, die mit der Zeit erweitert werden kann.
* Deutlich ansprechen, wann und wo rechte, menschenverachtende Inhalte vertreten werden.
* Einfordern, dass über die Inhalte geredet wird, und die Inhalte möglichst deutlich und öffentlich zum Thema machen.
* Wenn deutlich wird, dass sich Rechte nur einen Platz zum Mitreden erobern wollen, aber über Inhalte nicht sprechen wollen, so sollte auch vermeintlichen „Demokraten“ und „Unpolitischen“ wie den Rechten generell dieser Platz nicht mehr eingeräumt werden. Wer sich einer Kritik nicht stellen will, mit dem muss man auch nicht „ins Gespräch kommen“. Rechten reicht in der Regel einfach schon ihre Präsenz und die Tatsache, dass sie eine inhaltliche Auseinandersetzung verhindern können. Sich daran abzuarbeiten ist Energieverschwendung. Überlegt stattdessen, wo und wie ihr deutlich darauf hinweisen könnt, dass hier Rechte sich einmischen oder die Positionen und Strategien der Rechten ignoriert oder unterstützt werden.
* Rechte Kader tarnen sich oft als ganz gewöhnliche Teilnehmer. Gerade auf rechten Kadern, die für solche Diskursstrategien geschult sind, solltet ihr euch nicht einlassen. Outet sie und grenzt sie aus.
* Hole dir Unterstützung und tausche dich über deine Eindrücke mit Menschen deines Vertrauens aus. Oft stehst du nicht allein mit einem komischen Bauchgefühl da. Überlegt gemeinsam, wie ihr euch verhalten wollt. Überlegt euch, wie ihr die Rechten fernhalten könnt und wie ihr auf das Auftreten von Rechten aufmerksam machen könnt.
* Oft kündigen Rechte in ihren Medien Aktionen und Kampagnen an. So twittert die Junge Freiheit und ihre Fellower gerne, in welchen Foren zurzeit über ihre Themen diskutiert wird. Ihr könnt euch dann sicher sein, dass die Diskurspiraten der Jungen Freiheit sich dort unter das „Volk“ mischen. Oft hängen sich Fellower von Rechten an euch ran. Schaut regelmäßig bei einschlägigen Rechten, wer ihnen folgt und blockiert sie, dann könne sie auch euch nicht mehr folgen. Gleichzeitig sind sie markiert. Wenn ihr euch bei neuen Fellower unsicher seit, scrollt ihre Fellower durch. Häufen sich dort die als „blockiert“ markierten, ist eure Skepsis selten unberechtigt.
* In Projekten wie der Wikipedia und in vielen Foren finden sich immer genug „unpolitische“, die sich nicht für das Erscheinen der Rechten und ihren Störaktionen interessieren. Sie sind dann lediglich an einem „friedlichen“ Umgang interessiert und schauen sich die Aktionen der Rechten nicht mehr inhaltlich an. Auch bürgerliche Medien zensieren nur offen ausgesprochenen Hass und freuen sich ansonsten über die „rege Beteiligung“, auch wenn ein ganzer rechte Mob die Diskussion stürmt. Richtet dann eigene Räume und eigene Blogs ein, auf denen ihr auf den Lauf der Dinge hinweisen könnt und in denen ihr möglichst selbstbestimmt und ungestört über das Geschehen und die zu ergreifenden Initiativen diskutieren könnt. In der Wikipedia hat sich dazu zum Beispiel ein „Diderot-Club“ (s.a. hier und Wikipedia inside) gebildet. Die antirassistische Initiative der „braune mob“ betreibt sehr erfolgreich einen Media watch Blog.
* Achtet darauf, dass eure Beiträge selbst inhaltlicher Natur sind. Wer nur eine Duftwolke absondern möchte – nach dem Motto „Wählt uns“, muss sich nicht über unangenehmen rechten Mob wundern. Wenn ihr selbst fundierte kritische Blogbeiträge schreibt, wissen die Rechten, dass sie sich mit ihren einfachen Erklärungen nur blamieren.
* Traut nicht der Rede, man sei „neutral“, „unpolitisch“ oder schlicht nur „demokratisch“. Wer Kritik nicht ernst nimmt, auf Fragen nicht inhaltlich eingeht, der versteckt sich hinter diesen Formeln.
* Lasst euch nicht drängeln und nehmt euch Zeit bei euren Entscheidungen zu antworten. Wenn euch etwas merkwürdig erscheint oder ihr etwas nicht kennt, fragt Vertraute, was sie von der Sache halten.
* Versteift euch nicht selbst auf simple Politikfelder. Wichtiger als eine Stimme zu gewinnen ist es, das Unrecht deutlich anzusprechen und kompromisslos für die Einstellung menschenverachtender Zustände einzustehen. Wenn ihr dafür eine Öffentlichkeit schafft, so wird das Druck auf alle Politikbereiche ausüben. Es gibt die alte Weisheit, dass die Politik in den Parlamenten dann sehr nachteilig für die Menschen ist, wenn die Politik außerhalb der Parlamente sehr schwach ist. Wahlen dienen auch immer dazu, den Protest parlamentarisch zu integrieren. Also: Nicht immer nach oben schauen, sondern sich dort wehren, wo die Verhältnisse ungerecht sind. Das zeigt oft mehr Wirkung und es lassen sich lange Wartezeiten vermeiden. Demokratie beginnt ganz sicher nicht am Wahltag, sondern im Alltag.
* Fordert ein, dass auf eure Kritik und eure Wahrnehmung der Diskussion eingegangen wird. Protestiert und wehrt euch, wenn trotz der Kritik Rechte geduldet werden. Macht öffentlich, wenn ihr als „Querulanten“ ausgegrenzt werdet. Eine Diskussion oder ein Projekt wie Wikipedia oder eine Partei wie die „Piraten“ kann sich nicht mehr als neutral oder demokratisch bezeichnen, wenn menschenverachtende Positionen toleriert werden.
So weit für heute. Inhaltliche Beiträge, Unterstützung und Ratschläge sind willkommen.
6 Antworten auf „Tipps gegen Rechts im Internet“