kultuRRevolution zu Alfred Schobert

Auszug aus der Rezension zu:
http://www.unrast-verlag.de/img/images/t000000000310-01.jpg
Alfred Schobert: Analysen und Essays. Extreme Rechte – Geschichtspolitik -Poststrukturalismus, hg. v. Martin Dietzsch, Siegfried Jäger u. Moshe Zuckermann, Münster: Unrast 2009, 433 S. (Edition DISS).

(…)
Alfred Schobert hat es – wie man zuweilen versucht ist zu sagen – auf sich genommen, den üblicherweise (und in mancher Hinsicht zu recht) »rechts liegengelassenen« Landstrich zu kartieren. Das hat ihn neben Selbstverleugnung auch massiven Psychoterror gekostet. Dabei ging es ihm im wesentlichen um zwei Aspekte: um die rechte »Intellektualität« und um die Popmusik.
So müssen wir Namen (vor allem aus dem Organ Junge Freiheit) zur Kenntnis nehmen, die wir größtenteils getrost wieder vergessen können. Außer vielleicht einem Namen wie Alain de Benoist (dazu die Beiträge aus der kRR), der als Franzose die diskursive »Piraterie« (Schobert) mit ganz anderer Chuzpe praktizieren kann als seine deutschen Nachbeter, denen natürlich immer der NS-Klotz am Bein hängt. Da geht es um Piratenstücke wie die versuchte Entführung und Geiselnahme von Signifikanten wie »Kulturrevolution« und »Hegemonie«, zu schweigen von »Kapitalismus« und »Imperialismus«. Wie Alfreds sehr genaue Lektüren – von den Herausgebern zutreffend zwischen Ideologiekritik, Dekonstruktion und Diskursanalyse situiert – zeigen, brauchen wir vor diesen Piraten jedoch keine Angst zu haben, und zwar, weil sie – hier ergänzen wir Alfred – GeistesTypologisch denken und nicht anders denken können – d.h. aber: nicht kulturrevolutionär denken können. (Der Signifikant »Kulturrevolution« ist genau der, der aus jeder GeistesTypologischen Geiselhaft immer schon entwischt ist.)
(…)
In gewisser Weise kann man die Dekonstruktion als ein Verfahren betrachten, das GeistesTypologische Fixierungen destruiert, wo immer sie sie trifft. Insofern konnte sie Alfreds bohrende Fragen nach dem, was eigentlich »rechtes« (und implizit dann auch »linkes«) Denken qua Denken sei, auf eine neue, zusätzlich reflektierte Ebene heben.

Welch ein Elend, dass wir all das mit ihm nicht weiter diskutieren können!

Aus: kultuRRevolution – zeitschrift für angewandte diskurstheorie nr. 57 (2009) S.73f.
hg. von jürgen link in verbindung mit der diskurswerkstatt bochum


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