Ein Fragebogen für weiße Bürger_innen
(k.m.) Nach den sozialeugenisch-rassistischen Lettre International-Interview von Thilo Sarrazin (SPD) aus dem Vorstand der Bundesbank im September sorgt nun ein Skandal an der Uni Halle-Wittenberg für berechtigte Kritik, über die das Portal „Mut gegen rechte Gewalt“ informiert.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhold Sackmann – seit 2004 „Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie, insbesondere Sozialstrukturanalyse moderner Gesellschaften“ – hat die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Auftrag der Stadt Halle und der Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) einen „quantitativen“ Fragenbogen zur Stadtentwicklung („Bürgerumfrage Halle 2009“) für Weiße entwickelt. Gefragt wird in der Frage 48 nach den Bedrohungsgefühlen der Bürger. Sie sollten u.a. ankreutzen, ob und wie sehr sie sich durch „Gewaltkriminalität“, „Betrügern, Schwindlern“, „Verschmutzung der Umwelt“ und die „Einwanderung von Ausländern“ bedroht sehen.
Gegen den Fragebogen melden sich erste kritische Stimmen wie die von Lisa Sommer vom AK Kritische Studierende an der Martin-Luther-Universität: „Es werden eindeutig nur Negativfaktoren, die die Lebensqualität in den Augen der Verfasser und damit antizipiert auch in den Augen der Befragten vermeintlich mindern, genannt, so sind sämtliche in der Frage neben ‚Ausländern’ genannte ‚Dinge’ eindeutig negativ bis extrem negativ konnotiert.“ (Mut gegen rechte Gewalt) Der rassistische konnotierte Fragebogen wurde in der letzten Woche an Sechstausend Personen verschickt.
Der Fragebogen richtet sich offensichtlich gezielt an „weiße“ Bürger_innen der Stadt. Der Entwickler des Fragebogens Tobias Jaeck vom Insititut für Soziologie betont gegenüber „Mut gegen rechte Gewalt“, dass ihm die Vorurteile und die Problemwahrnehmung der (ja welcher?) Hallenser interessieren.
Es fragt sich, welches Bedrohungsgefühl sich durch derartige Fragebögen bei Halenser_innen einstellen, die nicht die anvisierte Hautfarbe besitzten, und welche Problemwahrnehmungen á la Sarrazin seitens der Zielgruppe durch den Fragebogen gestiftet werden.
Erklärtes Ziel der Fragebogenaktion ist neben der Erhebung von Daten zur Kleingarten- und Internetnutzung, dass die „Bürger und Bürgerinnen … zwischen den Wahlen ihre Meinungen äußern“ (Bürgerumfrage Halle 2009).
Zum Artikel:
Sind neben Hundekot, Gewalt und Kriminalität auch „Ausländer“ ein Problem? von Sebastian Brux – Mut gegen rechte Gewalt. 20.10.2009
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