Zum Klassenrassismus selbsternannter „Leistungsträger“

Veranstaltung: Andreas Kemper liest aus seinem Buch „Klassismus. Eine Einführung“ und kritisiert den modernen Sozialdarwinismus. Münster: Brücke, Wilmergasse 2, Mo., 16.11. 20.00 Uhr

Sarrazin-Debatte. Thilo Sarrazins (Bundesbank-Vorstand, SPD) Interview wurde wegen der rassistischen Äußerungen über „türkische Kopftuchmädchen“ kritisiert. Weniger bekannt wurden seine sozialdarwinistischen Auslassungen zur sogenannten „Unterschicht“. Er fordert die Einschränkung der Geldleistungen an arbeitslose und arme Eltern, damit sich „das Problem der Unterschicht auswachse“. Intelligenz sei vererblich, deshalb müsse die Zahl der „Unterschichtengeburten“ verringert und Berlin solle eine Hauptstadt der Elite werden. Beifall erhielt Sarrazin für seine sozialeugenischen Überlegungen nicht nur von Faschisten, sondern auch von vielen „Promis“ Henkel, Broder, Giordano, Sloterdijk. Der Talkshow-Philosoph Sloterdijk („Menschen züchten“) forderte die Umstellung der Steuersystem auf Freiwilligkeit und einen „Aufstand der Leistungsträger“. Man möchte meinen, das Problem des Alkoholismus finde sich eher in diesen Kreisen als – wie diese behaupten – bei Familien unterhalb der Armutsschwelle.
Es gibt eine zunehmende Diskriminierung gegen Arme und Arbeitslose. Im us-amerikanischen wird diese Diskriminierung als „Klassismus“ bezeichnet, die mit dem „Rassismus“ verwandt ist. Andreas Kemper liest aus „Klassismus. Eine Einführung“ und kritisiert den modernen Sozialdarwinismus.

Veranstalter: Fikus-Referat im AStA, Münster

Klassismus
Andreas Kemper, Heike Weinbach
Klassismus
Eine Einführung
ISBN 978-3-89771-467-0
188 Seiten, 13 Euro

Klassismus ist ein bislang noch wenig bekannter Begriff zur Bezeichnung der individuellen, institutionellen und kulturellen Diskriminierung und Unterdrückung aufgrund des tatsächlichen, vermuteten oder zugeschriebenen sozial- oder bildungspolitischen Status´. Menschen in Armutsverhältnissen wird zum Beispiel gewalttätiges Verhalten oder Alkoholismus stereotyp unterstellt und medial inszeniert, obwohl diese Phänomene klassenübergreifend gleichermaßen vorkommen. Der Begriff Klassismus beschreibt die Erfahrung persönlicher Diskriminierung von Menschen als gesellschaftliches, strukturelles Problem. Damit ergänzt und überschneidet er sich mit der Analyse von Rassismus, Sexismus und anderen Diskriminierungsformen.
Zum ersten Mal liegt nun in deutscher Sprache eine Einführung in Buchform vor. Die VerfasserInnen beschreiben die Ursprünge des Klassismusbegriffs und seine Alltags- und Widerstandspraxen in den USA und zeigen die politischen Anschlussfähigkeiten im Kontext der Bundesrepublik auf.

Siehe auch den Autorenblog von Andreas Kemper: Klassismus. Kritik an der deutschen Klassengesellschaft

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am 17.11.in Moers ist in der Barrikade Moers


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