(k.m.) Das Objekt der weißen, christlichen und meist männlichen Begierde ist in der Öffentlichkeit kaum auszumachen. Umso mehr wird über dieses Objekt1 phantasiert, spekuliert und debattiert. Es geht um ein Frauenkleid. Es geht um ein Outfit, von dem weiße Männer sich „bedroht“ fühlen. Damit das so bleibt, also mit der „Bedrohung“ und der Unsichtbarkeit, sind sich auch in Frankreich beim Thema orientalischer Frauenkleider („Burka“) linke und rechte Rassisten einig: Wer so etwas trägt, gehört nicht in die Öffentlichkeit. Antoine Lerougetel und Alex Lantier informieren über die politischen und ideologischen Grundlagen der Burka-Debatte in Frankreich und erinnern an die Dreyfus-Affäre:
Der rassistische Feldzug gegen die Burka bedroht demokratische Rechte auf wsws.org
Zitat:
Obwohl der Feldzug gegen die Burka als Kampf für Säkularismus und Frauenrechte daherkommt, ist er ein rassistischer Angriff auf die grundlegende Freiheit des Einzelnen. Er ist besonders gefährlich, weil er einen Präzedenzfall schafft. Der Staat kann damit politische oder religiöse Überzeugungen verbieten, von denen er glaubt, sie könnten seinen Interessen zuwider laufen. (…)
Die Kampagne gegen die Burka missachtet die Lehren aus der Dreyfus-Affäre. Das war die wichtigste politische Erfahrung, die zur Verabschiedung des Gesetzes von 1905 über die Laizität führte. Damals kämpfte eine Allianz aus Sozialisten und Intellektuellen gegen die Diskriminierung einer verfolgten religiösen Minderheit durch die katholische Kirche, die Armee und den Staat. Hauptmann Dreyfus, ein jüdischer Offizier, war fälschlicherweise wegen Spionage für Deutschland verurteilt worden. Mit der Unterstützung einer breiten Mehrheit konnte er schließlich rehabilitiert werden.
Heute diskriminieren mächtige Teile des Staats Angehörige einer armen und unterdrückten Minderheit, während sie gleichzeitig versuchen, ihren Rassismus hinter einem pseudo-laizistischen Feigenblatt zu verstecken.
Eine solche rechte Kampagne ist nur möglich, weil sie die Unterstützung der stalinistischen KPF – einer Partei mit langer Regierungserfahrung – und der „äußeren Linken“ genießt.
Eine Vorreiterrolle in der antimuslimischen Debatte in Frankreich spielt André Gerin, ein Abgeordneter der französischen Kommunistischen Partei (KPF) und Bürgermeister von Vénissieux. Seine Initiative nahmen Sarkozy und das bürgerliche Lager bereitwillig auf.
Linkes weißes Bewusstsein
Am 5. Oktober 2007 griff er [André Gerin, A. k.m.]in einem Interview von Riposte laïque (Laizistischer Gegenangriff), „Problemfamilien“, besonders Immigrantenfamilien an. Er erklärte: „Ich fordere die Behörden seit Jahren auf: Sorgt dafür, dass diese Familien im Interesse aller das Land verlassen, und wenn sie Ausländer sind, zögert nicht, sie auszuweisen. Ich bin in der Tat für die starke, radikale Methode, um ein Exempel zu statuieren.“ In einem weiteren Interview vom 7. Dezember 2007 lamentiert Gerin über „die tödliche Gefahr, die von dem antiweißen, antifranzösischen Rassismus ausgeht“.
Unrast Bücher der Kritik

Iman Attia (Hg.):
Orient- und IslamBilder
Interdisziplinäre Beiträge zu Orientalismus und antimuslimischem Rassismus
ISBN-13 978-3-89771-466-3
Titel zum Thema: »Feindbild Islam«
Vielen Dank, dass du alle Menschen, die für Menschenrechte auch für Frauen sind, diffamierst. Das hilft bestimmt weiter.
Sorry, aber natürlich trete ich für alle nur erdenklichen Rechte von Frauen ein.
1. Jede Frau soll die Kleider trage dürfen, die sie tragen möchte, ohne das sich rassistische Männer oder andere Rassist_innen sich da irgendwie einmischen.
2. Jede Frau soll freien Zugang zu Ämtern und Behörden haben, unabhängig davon, wie sie sich kleidet.
3. Jede Frau soll sich – auch und gerade mit öffentlichen Verkehrsmitteln – frei bewegen und reisen können, unabhängig davon, wie sie sich kleidet.
Darüber informiert dieser Beitrag. Rassisten und Rassistinnen möchten Frauen wg. ihrer Kleidung diese Menschenrechte verweigern.
Wer wird also diffamiert?
All diejenigen, die noch nie mit einer Burkaträgerin gesprochen haben, aber es besser wissen als das Objekt ihrer Gedanken, Worte und Handlungen?
Die einzigsten, die in dieser Debatte nicht rassistisch agieren, sind die Frauen, die für ihre Rechte selbstbestimmt kämpfen. Und das tun sie auch in der „muslimischen Welt“.