Transnationale Guerilla

Vorwort und Inhalt aus Jens Kastner: Transnationale Guerilla. Aktivismus, Kunst und die kommende Gemeinschaft. Leseprobe:

transnationale Guerilla

»Help me/hurt me/Sociology«
Bruce Nauman, »Anthro/Socio«, 1992
»Theorie ist immer der Umweg auf dem Weg zu etwas wichtigerem.«
Stuart Hall (1994: 66)

Im theoretisch-globalisierungskritischen Handgemenge warnt Zygmunt Bauman vor den »Neotribes« und hofft – trotz postmoderner Gesellschaftsanalyse – auf eine »planetarische Gemeinschaft«. John Holloway sieht ein widerständiges »Wir« aus der Negation des Bestehenden erwachsen, und Giorgio Agamben formuliert die »kommende Gemeinschaft« als politischen Auftrag. Die »gemeinsame Mobilisierung« gegen »Widersacher« (Pierre Bourdieu) scheint ausgemachte Sache – auch und gerade wenn die die Neue Zürcher Zeitung Bourdieu dafür der »intellektuelle(n) Guerilla« bezichtigt und belächelt.1

-> warum Gemeinschaft?
Zu den zentralen Ingredienzien der neoliberalen Ideologie gehört das neo-sozialdarwinistische Menschenbild, nach dem der/die Einzelne seines oder ihres Glückes Schmied ist und nur die Stärksten überleben (sollen). Auf diesem Menschenbild fußt auch der rigorose Anti-Sozialismus der Neoliberalen, hier verstanden im weitesten aller möglichen Sinne: Darunter fallen einerseits so konkrete Maßnahmen wie die planmäßige Zerschlagung der Gewerkschaften, die die Regierung Thatcher in den 1980ern vorexerziert hat und die heute in Lateinamerika in der Tradition der Militärdiktaturen aus den 1970er und 1980er Jahre von der Regierung Uribe in Kolumbien fortgeführt wird. Andererseits ist unter Anti-Sozialismus aber auch so Grundsätzliches zu verstehen wie die Subjektivierungsweisen, die den/die Einzelne/n zum/zur UnternehmerIn ihrer selbst machen.
Allein deshalb schon wird Kollektivität zu einem zentralen Kriterium anti-neoliberaler Politik.2 Jenseits der Debatten zwischen Kommunitarismus und Liberalismus haben John Holloway, Zygmunt Bauman und Giorgio Agamben die gegen den neoliberalen Kapitalismus gerichteten, globalisierungskritischen Bewegungen zum Anlass genommen, sich auf ganz unterschiedliche Weise der Frage der Kollektivität und radikaler politischer Praxis zu widmen. Um die Auseinandersetzung mit deren jeweiligen Konzepten eines Kollektivsubjekts, flüchtige, planetarische, kommende Gemeinschaft oder schlicht Wir genannt, geht es im Folgenden. Obwohl unterschiedlichen theoretischen Traditionen entstammend, teilen die drei Ansätze nicht nur das Beispiel der Altermondialistas. Darüber hinaus verbindet sie zweitens ein zeitdiagnostisches Moment: Alle gehen von der Allgegenwart struktureller Gewalt aus, die sie entsprechend ihrer jeweiligen theoretischen Entwkcklung anders fassen: »repressive Gesellschaft« (Holloway), »deregulierte Gewalt« (Bauman) oder verallgemeinerter »Ausnahmezustand« (Agamben). Ausschlaggebend dafür halten alle drei die Mechanismen der Identifizierungen und Klassifizierungen. Daher entwickeln sie aus ihren Zeitdiagnosen normative Haltungen, die – drittens – eines gemeinsam haben: gegen Klassifikation zu sein. Auf dieser antiklassifika¬torischen Grundlage formulieren, viertens, alle drei ihre Konzeptionen von Gemeinschaft.

-> warum Kunst?
Alle drei Modelle von Gemeinschaft neigen zu Entkontextualisierungen: Obwohl auf die konkreten sozialen, kulturellen und politischen Verhältnisse bezogen, entwerfen alle drei ihre Konzepte unter Absehung von bestimmten Existenzweisen, sie klammern also konkrete Kontexte aus.3
Die Kritik an dieser Ausklammerung wird seit langem im Kunstbereich formuliert. Um das zu zeigen, wird auf einige Beispiele aus der neueren Kunstgeschichte rekurriert. Dabei sind es vor allem solche KünstlerInnen, deren Praktiken in feministischen und/oder postkolonialistischen Diskursen eingebunden sind, deren Arbeiten ähnlich wie die sozialen Bewegungen die Negation der hegemonialen Strukturen zum Thema hatten. Allerdings sind nicht nur diese Inhalte entscheidend dafür, auf künstlerische Praktiken zurückzugreifen. Darüber hinaus, so eine weitere These dieses Buches, lässt sich aus bestimmten Thematisierungen des Verhältnisses von BetrachterIn, Werk und KünstlerIn die Kritik an universalistischen, entkontextualisierenden Theorieansätzen entwickeln. So ist parallel zur Entwicklung in der postmodernen bzw. neueren französischen Philosophie und den sozialkonstruktivistischen Sozialtheorien auch in der zeitgenössischen Kunst die Reflexion über die Frage nach der Herstellung der Wirklichkeit betrieben worden. Nicht zuletzt deshalb wird Diskursen und Praktiken des künstlerischen Feldes in aktuellen Zeitdiagnosen der westlichen Gegenwartsgesellschaft eine solch große Bedeutung beigemessen (vgl. z. B. Boltanski/Chiapello 2003, Reckwitz 2006). Dass und wie der Mensch als »gesellschaftliches Lebewesen« (Marx) durch ökonomische, soziale und kulturelle Verhältnisse geprägt und dennoch deren MitgestalterIn ist, haben vor allem konzeptuell arbeitende KünstlerInnen immer wieder auszuloten versucht. Dabei haben sie sich regelmäßig auch auf die Theorieentwicklungen im akademischen Bereich sowie auf den politischen Aktivismus bezogen. Es lohnt sich durchaus, diesen Bezug auch umgekehrt, also von den sozialen Bewegungen in Richtung Kunstfeld, herzustellen. Denn die Frage nach kollektiven Handlungsmöglichkeiten kann ja nicht oft genug und nicht aus erschöpfend vielen Richtungen diskutiert werden; zumal, wenn es, wie John Holloway empfiehlt, darum geht aufzuhören, »den Kapitalismus zu machen« (Holloway 2004).
Die Schwierigkeiten bei dem Versuch, das Mitmachen einzustellen, strukturelle Ungleichheiten zu bekämpfen und neue soziale Beziehungen zu entwickeln, haben seit den 1960er Jahren Künstlerinnen im Kontext des Feminismus (Yoko Ono, VALIE EXPORT, Martha Rosler u. a.) und der konzep¬tuellen Kunst deutlich gemacht. Herausgearbeitet wurde dabei auch, dass kollektive Aktion oft nicht umhin kann, die Unterdrückung und Exklusion als Kollektivsubjekt zum Ausgangspunkt für den Kampf gegen sie zu nehmen. Auch für das Vorgehen gegen ethnische, sexuelle und klassistische Ausschlüsse steht zu Beginn der Satz, mit dem Adrian Piper 1974/75 ihre Performance-Serie »Mythic Being« – verkleidet als androgyner, schwarzer Mann mit Afro-Perücke, Sonnenbrille und Schnurbart – auf die Prozesse von Zuschreibung und Stereotypisierung hinwies: »Ich verkörpere, was sie am meisten hassen und fürchten.«

-> warum Guerilla?
»Wir verkörpern« müsste es mit Holloway gesprochen sicherlich heißen. Die zapatistische Befreiungsbewegung um die Guerilla EZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional) in Chiapas/Mexiko hat seit ihrem ersten öffentlichen Auftreten im Januar 1994 einen strategischen Umgang mit dieser Verkörperung gepflegt. Hauptsächlich aus Indigenen bestehend, nahm sie dieses Indigen-Sein zum Anlass für die Forderung nach Inklusion: »Nunca más un México sin nosotr@s!« »Nie mehr ein Mexiko ohne uns!« Im Kontext des Kampfes um kulturelle Rechte und Autonomie haben die Zapatistas dies zwar auf die indigenen Gemeinden im Süden Mexikos bezogen. Hinsichtlich der Kämpfe gegen die neoliberale Globalisierung machen sie jedoch deutlich, dass es bei diesem »uns« keineswegs allein um indigene Identitätspolitik geht.4 Es geht den Zapatistas vielmehr ums Ganze: Demokratie, Würde, Freiheit, Gerechtigkeit. Auf der Basis dieser universellen Ansprüche erneuerte die so genannte »Diskursguerilla« auch Verständnis und Praxis internationaler Solidarität. Der Internationalismus von ArbeiterInnenbewegung und Neuer Linker wurde abgelöst durch gegenseitig aufeinander bezogene Netzwerke transnationaler Kämpfe. So hat der Zapatismus nicht nur die globalisierungskritischen Diskurse und Bewegungen angeschoben. Auch im Kunstfeld ist er auf Resonanz gestoßen: Nicht nur in Liz McQuistons Buch zu sozialem und politischem Graphik-Design wird der zapatistische Aufstand als »ignition point for the anti-globalization-movement« (McQuiston 2004: 72f.) verstanden.5
Die Negation der sozialen und ökonomischen Hegemonie des neoliberalen Kapitalismus – von Subcomandante Marcos als »der vierte Weltkrieg« bezeichnet – kann heute als eine Klammer für Theorie und Bewegungen fungieren, so wie der Vietnam-Krieg das negativ-verbindende Element der internationalen 68er-Proteste war. Gegen die Übermacht der neoliberalen Hegemonie bildet die Transnationale Guerilla eine temporäre, kämpferische Gemeinschaft als mögliche Form der Organisierung. Von Guerilla statt von Gemeinschaft zu sprechen, zielt schließlich darauf, alles Urwüchsige und den sozialen Verhältnissen als vorausgehend Gedachte, aus den Konstitutionsbedingungen des Organisationsmodells auszuklammern. Dabei tritt die Guerilla, wie die Zapatistas, nicht als Avantgarde auf. Es geht auch nicht um die Eroberung eines nationalen Territoriums mit anschließender Übernahme der Regierungsgeschäfte. Um eine Einflussnahme auf die Regierung im Sinne Michel Foucaults, also der Rationalitäten des Führens und Geführtwerdens, geht es aber sehr wohl. Terroristische Aktionen wie bei den Stadtguerillas der 1970er Jahre stehen dafür nicht zur Debatte. Die Transnationale Guerilla aber könnte als eine Möglichkeit mit offenem Ausgang verstanden werden, in jenem »Stellungskrieg« zu agieren, den der italienische Kommunist Antonio Gramsci als Reaktion auf die kulturelle Hegemonie eingefordert hatte. Spricht man von neoliberaler Hegemonie, bezieht man sich zeitdiagnostisch implizit auf den Gründer der Kommunistischen Partei Italiens. Mit der Rede von kultureller Hegemonie fand Gramsci eine Erklärung dafür, warum die Revolution anders als in Russland nicht in einem »Bewegungskrieg« á la Sturm aufs Winterpalais stattgefunden hatte. Die Werte der Bourgeoisie waren zu allgemeingültigen geworden, Herrschaft bestand und besteht demnach nicht nur aus Repression sondern aus »Konsens, gepanzert mit Zwang«. Um sie zu stürzen, bleibt nach Gramsci nichts als der mühsame »Stellungskrieg«. Wie dieser heute zu führen wäre oder ob überhaupt, ist umstritten.6 Ausgehend von Positionen und Dispositionen der Agierenden – und weniger auf der Grundlage der von Holloway, Bauman oder Agamben vorgeschlagenen Gemeinschaftskonzeptionen – geht es schließlich um eine Form emanzipatorischer Politik, die, wie Agamben (2002: 21) in Abgrenzung zur Biopolitik schreibt, »im wesentlichen noch zu erfinden bleibt«.7

Schon im Gefolge der Revolte von 1968 wurde auch im Kunstfeld, insbesondere im Kontext so genannter Konzeptkunst, an Guerilla-Modelle angeknüpft. Die Re-Lektüre künstlerischer Praktiken eröffnet damit den Blick für den oft ignorierten Zusammenhang von Kunstproduktion und sozialen Bewegungen. So wurde beispielsweise feministische und postkoloniale Kritik an heteronormativen, nordamerikanisch-westeuropäisch geprägten Institutionen immer sowohl von Bewegungen wie auch innerhalb künstlerischer Praktiken formuliert. Nimmt man aber diese Kritik an Ausschlüssen weiterhin ernst, kann auch das kommende, planetarische Wir nicht auf einem vorausgesetzten »Gemeinsinn« (Jacques Rancière) beruhen. Deshalb ist mit der Transnationalen Guerilla auch nicht die Formierung einer eingeschworenen Kampfgemein¬schaft gemeint. Sie geht aber zudem konzeptuell über die Vielfalt der polit-künstlerischen Methoden und Guerilla-Taktiken der letzten Jahre (Kommunikationsguerilla, Culture Jamming, Hacktivism etc.) hinaus. Seit es »Guerilla-Marketing« (Jay C. Levinson) gibt, muss es eher wieder darum gehen, dass Menschen nicht mehr für ewiggestrig oder schlicht durch¬geknallt gehalten werden, wenn sie an den Stätten ihrer Produktion behaupten, für einen »Sozialismus des 21. Jahrhunderts« zu arbeiten.8 Hinsichtlich der theoretischen Grundlagen dafür kann die Transnationale Guerilla ein militanter Kritikmaßstab sein.

Die Gefahren beim Verfassen eines Essays wie diesem sind klar, die Mängel liegen auf der Hand: Für Kunsttheorie zu viel Politik, für sozialen Aktivismus zu viel Theorie, für politische Theorie zu viel Kunst. Dennoch scheint es mir lohnenswert darauf hinzuweisen, dass die von Agamben bzw. Lenin aufgeworfenen Fragen »Was ist bloßes Leben?« und »Was tun?« nicht nur zwei der drei Leitmotive einer der wichtigsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, der documenta 12 sind, sondern auch im Bereich des politischen Aktivismus diskutiert werden. Die Transnationale Guerilla ist insofern ein Versuch, die von Bourdieu beschriebenen Feldgrenzen zwischen Kunst und Aktivismus zu überwinden: Die jeweiligen Eigen-logiken von Theorie- und Kunstproduktion sowie politischer Aktion weisen immer wieder Überlappungen und Verstrickungen auf. An diesen gilt es anzusetzen, und zwar nicht über identitäre Schließungen oder vorausgesetzte, kontextlose Gemeinschaften. Sondern als Transnationale Guerilla.

Anmerkungen:

1 Für viele hilfreiche Anmerkungen danke ich Lea Susemichel, Gerald Raunig und Daniel Dravenau.

2 Dem Philosophen Oliver Marchart (2005: 16) ist daher zuzustimmen, wenn er schreibt: »Das wesentliche Kriterium radikaler Politik ist Kollektivität.« Marchart kommentiert damit Chantal Mouffes Auseinandersetzung mit Toni Negri/Michael Hardt und der globalisierungskritischen Bewegung.

3 Das Konzept der Existenzweise wird hier im Anschluss an Louis Althussers Überlegungen zur Materialität von Ideologie verwendet (vgl. Althusser 1977: 136ff.). Es soll auf der einen Seite ermöglichen, Subjektivierungsweisen, auch kollektive, als konkrete materielle Effekte zu beschreiben, die existieren, ohne dabei auf der anderen Seite aber die Perpetuierung essenzialistischer Alltagsvorstellungen zu betreiben. Diese kollektiven Subjektivierungsweisen sind zudem – trotz aller sonstiger, auch fundamentaler Unterschiede in den theoretischen Ansätzen, ähnlich wie bei Michel Foucault oder Pierre Bourdieu – nicht allein auf Repression (Her- und Zurichtung), aber auch nicht auf Bewusstsein, Übereinkunft oder Vertrag gegründet.

4 Zwar nicht gerade das erste Mal zitiert, aber weil sie so schön ist, die Antwort von Subcomandante Marcos auf die Frage, wer denn hinter seiner Maske stecke, aus dem Postskriptum zum Kommuniqué vom 31.Mai 1994: »Mehrheit, die sich als nicht tolerierte Minderheit verkleidet. In bezug auf all das Gerede, ob Marcos schwul ist: Marcos ist ein Schwuler in San Francisco, Schwarzer in Südafrika, Asiat in Europa, Chicano in San Isidro, Anarchist in Spanien, Palästinenser in Israel, Indígena in den Straßen von San Cristóbal, Kinderbande in Nezahualcoyotl, Rocker in Ciudad Universitaria, Jude in Deutschland, Feministin in politischen Parteien, Kommunist in der Zeit nach dem Kalten Krieg, Gefangener in Cintalapa, Pazifist in Bosnien, Mapuche in den Anden, Lehrer in der CNTE, Künstler ohne Galerie noch Aufträge, Hausfrau an einem Samstagabend in irgendeinem Viertel irgendeiner Stadt irgendeines Mexikos, Guerillero im Mexiko des ausgehenden 20. Jahrhunderts, Streikender in der CTM, Journalist von Fülltexten für die Inlandsseite, Macho in der feministischen Bewegung, Frau, die alleine um zehn Uhr nachts in der Metro ist, Rentner als Wachposten auf dem Zócalo, Bauer ohne Land, verarmter Verleger, arbeitsloser Arbeiter, Mediziner ohne Arbeitsplatz, unzufriedener Student, Dissident im Neoliberalismus, Schriftsteller ohne Bücher und Leser – und ist sicherlich Zapatist im Südosten Mexikos. Letztendlich ist Marcos irgendein Mensch in dieser Welt. Marcos sind all die nicht tolerierten, unterdrückten Minderheiten, die nicht aufgeben, die explodierend Ya Basta schreien. All die, die in dem Moment Minderheit sind, wenn es darum geht, zu sprechen, und Mehrheit, wenn es darum geht, zu schweigen und zu ertragen. All die Nicht-Tolerierten, die nach Worten suchen, ihren Worten, die diese ewigen Fragmente zur Mehrheit machen, wir. Alles, was der Macht und den guten Gewissen unbequem ist, ist Marcos.« (zit. n. Topitas 1994: 8f.)

5 Zum Zapatismus allgemein vgl. Muñoz Ramirez 2004 und Kerkeling 2005, zur Bedeutung der Diskurspolitik vgl. Huffschmid 2004, im Hinblick auf soziale Bewegungsforschung vgl. Kastner 2004, zur Rezeption des Zapatismus in der Popkultur vgl. Kastner 2005. Für Dokumente der Zapatistas in deutscher Sprache sowie aktuelle Informationen vgl. www.gruppe-basta.de und www.chiapas.ch.

6 Chantal Mouffe beispielsweise plädiert dafür, beim Stellungskrieg keinesfalls regionale und nationale Institutionen auszuschließen, wie Negri und Hardt es raten: »Der Stellungskrieg (…) muss auf einer Vielzahl von Ebenen geführt werden.« (Mouffe 2005: 36) Da sie diese Institutionen dabei nicht in Frage stellt, drängt sich allerdings die Frage auf, was an dem von Mouffe vertretenen Konzept der »radikalen Demokratie« eigentlich das Radikale sein soll. Ebenfalls zeitdiagnostisch an Gramscis Begriff orientiert, vertritt Richard Day eine Gegenposition und lehnt den Kampf um eine Gegen-Hegemonie ab. Gestützt auf eine Re-Lektüre anarchistischer Klassiker – »in the light of poststructuralist, feminist, postcolonial, queer, and indigenous critiques« (Day 2005: 18) –, plädiert er stattdessen für eine Logik der Affinität.

7 Auf und in verschiedenen gesellschaftlichen Feldern könnte dann erprobt werden, was Foucault (2004: 282) »Gegen-Verhalten« genannt hat. Solche »Revolten der Verhaltensführung« (Foucault 2004: 282) müssen sich immer wieder neu konstituieren.

8 Für mitteleuropäische Verhältnisse undenkbare Szenen wie diese finden sich im Film von Dario Azzellini und Oliver Ressler über den Bolivarianischen Prozess in Venezuela: »5 Fabriken – Arbeiterkontrolle in Venezuela«, 83 min., D/A 2006. Im Kunstkontext wurde der Film präsentiert im Rahmen der Ausstellung »Now-Time Venezuela. Media Along the Path of the Bolivarian Process. Part 1: Worker-Controlled Factories«, Berkeley Art Museum, 26. März bis 28 Mai 2006.

Inhalt:

1 Künstlerischer Internationalismus
Guerilla Art Collective Project – Künstlerischer
Internationalismus – Strukturelle Hürden (Kunst und
soziale Bewegungen) – Fokustheorie – Sekula & Rosler
– What do you represent? – Raum der Möglichkeiten
– Gemeinsinn

2 »Wir« (John Holloway)
Der Vierte Weltkrieg – ¡Ya Basta! Es reicht! – Waiting for
Tear Gas – Geschichte ist machbar – Praktische Negation
– Würde und Kapital sind inkompatibel – Border Door

3 »Neotribe« und »planetarische Gemeinschaft«
(Zygmunt Bauman)
Video lesen – Kontingenz mit Wurzeln – Neotribes
subalternes Sprechen –Entwendung & Appropriation
– November – Die planetarische Gemeinschaft – al paso
del más lento

4 »Die kommende Gemeinschaft« (Giorgio Agamben)
Nacktes Leben – Der Ursprung der Welt
Ausnahmezustand – Triangel – Die kommende
Gemeinschaft – Entstehungsweise vs. Existenzweise
– Herrschaft & Alltag – pasamontañas – Panzer

5 Transnationale Guerilla
Zeitdiagnose – Holocaust als dystopischer Horizont
– Gegen Klassifikation – flüchtig integriert – The Fittest
Survive – Künstlerkritik – Was tun? – gente armada
– Urbaner Zapatismus – Hinter unseren Masken sind wir
ihr

[PDF]

transnationale Guerilla
Jens Kastner
Transnationale Guerilla
Aktivismus, Kunst und die kommende Gemeinschaft
ISBN 978-3-89771-464-9
80 Seiten | 8 Euro

Weiter Unrast Bücher von Jens Kastner finden sie hier:

* Politik und Postmoderne
* »nicht alles tun«


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