Von Markus Bernhardt – Junge Welt 04.01.2010 / Politisches Buch / Seite 15

Jürgen Peters & Christoph Schulze (Hg.)
»Autonome Nationalisten«
Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur
unrast transparent – rechter rand
ISBN: 978-3-89771-101-3
Seit mehreren Jahren versuchen Neofaschisten verstärkt, mit linken Symbolen und alternativem Habitus bei Jugendlichen zu punkten. So sorgen die sogenannten Autonomen Nationalisten (AN) seit ihrem Aufkommen für Verunsicherung sowohl bei Nazigegnern, bei der Polizei, aber auch in den eigenen Reihen. Sie kopieren den »schwarzen Block« der Linksradikalen und nehmen – oftmals ausgestattet mit linken Symbolen wie dem Palästinensertuch oder Che-Guevara-T-Shirts – an rechtsextremen Aufmärschen teil.
Mit dem Band »Autonome Nationalisten – Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur« haben Jürgen Peters und Christoph Schulze nun ein kompaktes Buch zu den militanten Neonazis herausgegeben. Kenner der Szene wie Jan Raabe oder Johannes Lohmann geben darin einen differenzierten und höchst informativen Einblick in das Innenleben der AN. Die erheblichen Widersprüche innerhalb der »Kameradschaftsszene« und ihre Entwicklung in den letzten Jahren werden dabei ebenso dargestellt wie die Kritik der neofaschistischen NPD an den AN. Sie setzt mehrheitlich auf Bürgernähe und erteilt dem »Militanzgehabe« der meist jungen Aktivisten eine Absage. Die wiederum werfen der Partei Biederkeit und Unfähigkeit in Sachen Nachwuchsrekrutierung vor, obwohl einige von ihnen ihre politischen Wurzeln selbst in der NPD oder deren Jugendorganisation, den »Jungen Nationaldemokraten«, haben.
»AN sind wandelnde Widersprüche. Es sind extreme Rechte, die das Jetzt bekämpfen wollen und es gleichzeitig freudig leben, die in ihrem Tatendrang Phrasen dreschen, aber wenig Theorie entwickeln und die auf die Linke fixiert sind«, bilanzieren die beiden Herausgeber. Peters und Schulze weisen zugleich auf die Gefährlichkeit der AN hin. So hätten diese es geschafft, Bewegung in den jugendkulturell geprägten Neonazismus zu bringen. »Die AN verkörpern mit ihren popkulturellen Attitüden ein niedrigschwelliges Angebot, dessen Attraktivität im Eventcharakter und in der Radikalität seines faschistischen Gemeinschaftsangebotes liegt«, so die Herausgeber, denen es gelungen ist, einen höchst informativen Überblick über Entstehungsgeschichte, Ideologie, politische Praxis, Habitus und Selbstverständnis der AN zu geben. Das macht das Buch zu einer Grundlagenlektüre für jeden Antifaschisten.
Jürgen Peters/Christoph Schulze (Hg.): Autonome Nationalisten – Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur. Unrast Verlag, Münster 2009, 80 Seiten, 7,80 Euro
unrast transparent – rechter rand:
* (R)echte Kerle
* Die extreme Rechte in Deutschland
* Die Neue Rechte in Frankreich
* Grüne Braune
* Studentenverbindungen in Deutschland
more:
* Braune Schwestern?
* Alte Herren – Neue Rechte
* Das Kreuz mit der Nation
* Graue Wölfe heulen wieder
* Jenseits des Nationalismus
* Nation statt Demokratie
* Völkische Bande
* Tipps & Tricks für Antifas
RechtsRock, Grauzone …

Christian Dornbusch, Jan Raabe (Hg.)
RechtsRock
Bestandsaufnahme und Gegenstrategie
ISBN 3-89771-808-1

Searchlight/Antifaschistisches Infoblatt / Enough is Enough / rat (Hg.)
White Noise
Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour – Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene
ISBN 3-89771-807-3
Ingo Taler
Out of Step
Hardcore-Punk zwischen Rollback und neonazistischer Adaption
ISBN 978-3-89771-821-0

Christian Dornbusch, Hans-Peter Killguss
Unheilige Allianzen
Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus
ISBN 3-89771-817-0

Andreas Speit (Hg.)
Ästhetische Mobilmachung
Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien
ISBN 3-89771-804-9

Raphael Böß
Step into a world!
HipHop zwischen Marginalität und Mitte
ISBN 978-3-89771- 496-0

Redaktionskollektiv (HG.)
Tipps & Tricks für Antifas
reloaded
ISBN 978-3-89771-477-9
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