
Gabriel Kuhn
Vielfalt, Bewegung, Widerstand
Texte zum Anarchismus
1. Auflage, August 2009
ISBN 978-3-89771-497-7
Vielfalt, Bewegung, Widerstand ist eine Sammlung von Texten zu zeitgenössischer anarchistischer Politik. Behandelt werden der sogenannte »Neue Anarchismus«, der »Postanarchismus«, die Taktiken des Schwarzen Blocks, anarcho-primitivistische Tendenzen, das CrimethInc.-Projekt, Internationalismus, sowie anarchistische Visionen and Zukunftsaussichten. Die Texte versuchen, einen undogmatischen Anarchismus zu formulieren, der sektiererischen Tendenzen entkommt, ohne Prinzipien radikaler herrschaftsfreier Politik aufs Spiel zu setzen.
Inhalt
Vorwort
»Bakunin vs. Postanarchismus«
»Anarchismus, Postmoderne und Poststrukturalismus«
»›Neuer Anarchismus‹«
»Militanz und Schwarze Blöcke«
»Anarchismus in den Philippinen und transnationale Politik«
»Anarchie oder Akratie? Die Politik von Herrschaftsfreiheit. Ein Gespräch mit Claudia von Werlhof«
»Was sind ›Ex-ArbeiterInnen‹? Ein Gespräch mit dem CrimethInc.-Ex-Workers-Kollektiv«
»›Rewilding‹ or ›Regressing‹? Zum US-amerikanischen (Anarcho-)Primitivismus«
»Anarchistische Visionen«
»Anarchismus im 21. Jahrhundert? Herausforderungen, Möglichkeiten, Perspektiven«
Vorwort
Die hier versammelten Aufsätze erschienen zwischen 2001 und 2009 in verschiedenen Foren in den USA, Deutschland, Schweden und auf den Philippinen. Gemeinsam ist ihnen die Auseinandersetzung mit jüngeren Entwicklungen und Strömungen des Anarchismus, vor allem in inter- bzw. transnationalen Zusammenhängen. Viele Texte berühren dabei Themen, die in der im vergangenen Jahr bei Unrast erschienenen Anthologie ›Neuer Anarchismus‹ in den USA. Seattle und die Folgen behandelt wurden, etwa das Phänomen des »Neuen Anarchismus«, das CrimethInc.-Projekt, die Aktionsformen des Schwarzen Blocks, Anarcho-Primitivismus oder Postanarchismus.
Beiden Büchern liegt die Absicht zugrunde, Beiträge zu lebendigen und vielfältigen anarchistischen Diskussionen zu leisten. Der Anarchismus hat in den letzten Jahren enorm an Aufwind gewonnen. Die Chancen, die dies bietet, sollten wahrgenommen werden. Undogmatische und solidarische Debatten sind dazu unerlässlich.
Zu den Texten im Einzelnen:
1. »Bakunin vs. Postanarchismus« ist eine ausführliche Darstellung der englischsprachigen Postanarchismus-Debatte. Der Bakunin-Bezug erklärt sich dadurch, dass der Aufsatz ursprünglich für den 2007 im Kramer-Verlag erschienenen Bakunin Almanach verfasst wurde. Wolfgang Eckhardt, Mitherausgeber des Almanach, ist für vorbildliche redaktionelle Betreuung und zahlreiche wertvolle Hinweise – vor allem zum Werk Bakunins – zu danken. Der stellenweise polemische Ton des Textes muss im Kontext der englischsprachigen Debatte verstanden werden.
2. »Anarchismus, Postmoderne und Poststrukturalismus« wurde ursprünglich als »Anarchism, Postmodernity and Poststructuralism« in dem Anfang 2009 bei Routledge erschienenen Contemporary Anarchist Studies Reader veröffentlicht. Der Text beinhaltet einige ergänzende Informationen zu »Bakunin vs. Postanarchismus«.
3. »Neuer Anarchismus« ist eine 2003 bei Alpine Anarchist Productions (Heft 19) als »New Anarchism« erschienene Auseinandersetzung mit dem Wiedererstarken der anarchistischen Bewegung in den USA in Folge der Anti-WTO-Proteste in Seattle 1999. Der Text widmet sich vor allem den ahistorischen, anti-linken und Lifestyle-Dimensionen des sogenannten Neuen Anarchismus.
4. »Militanz und Schwarze Blöcke« erschien bei Alpine Anarchist Productions (Heft 7) 2001 unter dem Titel »Militancy Beyond Black Blocs«. Der Aufsatz setzt sich mit der weit reichenden Debatte zum Schwarzen Block als (anarchistischer) Aktionsform auseinander, zu der es in Nordamerika im Anschluss an die Seattle-Proteste kam. Im deutschsprachigen Raum, in dem Auseinandersetzungen mit dem Schwarzen Block eine viel längere Geschichte haben, mag einiges des darin Formulierten als selbstverständlich erscheinen. Trotzdem kann die in dem Text präsentierte »solidarische Kritik« vielleicht dabei helfen, Diskussionen zum Thema jenseits streng ideologischer Grabenkämpfe zwischen »Militanten« und »PazifistInnen« zu führen.
5. »Anarchismus in den Philippinen und transnationale Politik« wurde ursprünglich als »Anarchism in the Philippines and Transnationalism« in der philippinischen Zeitschrift Gasera (#1, 2009) veröffentlicht. Der Aufsatz beschäftigt sich vor allem mit den internationalen Dimensionen der anarchistischen Bewegung und versucht, Denkansätze zu einer solidarischen transnationalen Politik zu skizzieren, die globalen ökonomischen Ungerechtigkeiten zu trotzen vermag.
6. »Akratie oder Anarchie? Zur Politik von Herrschaftsfreiheit« erschien als Gespräch mit Claudia von Werlhof in der Graswurzelrevolution #335 (Januar 2009). Die darin von Claudia von Werlhof formulierten Gedanken zu bestimmten Charakteristika und Erscheinungsformen der anarchistischen Bewegung sollen im Kontext dieses Bandes notwendiger selbstkritischer Reflexion dienen. Claudia von Werlhof ist Professorin für Politikwissenschaft und Frauenforschung an der Universität Innsbruck und seit langem in feministischen und antikapitalistischen Bewegungen aktiv.
7. »Was sind Ex-ArbeiterInnen« ist ein Gespräch mit einem »Agenten« des US-anarchistischen CrimethInc.-Kollektivs. CrimethInc. bezeichnet sich auch als »Ex-ArbeiterInnen-Kollektiv« und hat »Arbeitsverweigerung« bzw. »militante Arbeitslosigkeit« mehrfach zu einem Kernstück ihrer politischen Praxis erklärt. Das Gespräch erschien unter dem Titel »Agenterna som slutade löneslava« in der schwedischen Zeitschrift Brand in einer Nummer zum Thema »Arbeit« (#3, 2008). Die englische Version war lange Zeit als »Featured Interview« über die CrimethInc.-Homepage (www.crimethinc.com) abrufbar und ist mittlerweile in der »Reading Library« der Website archiviert.
8. »›Rewilding‹ or ›Regressing‹? Zum US-amerikanischen (Anarcho-)Primitivismus« ist eine kritische Auseinandersetzung mit einer der umstrittensten Strömungen des zeitgenössischen Anarchismus. Der Text erschien Anfang 2009 für die »Regress«-Nummer von testcard (#18).
9. »Anarchistische Visionen« erschien ursprünglich als »Visioner som förenar« in Brand #2, 2008, einer Nummer zum Thema »Visionen«. Der Text plädiert dafür, über die Betonung gemeinsamer Ideale, Spaltungen innerhalb der anarchistischen Bewegung – vor allem zwischen »Individual/Lifestyle-AnarchistInnen« und »SozialanarchistInnen« – vorzubeugen. Es werden dabei vor allem Anleihen bei anarchafeministischer Theorie genommen.
10. »Anarchismus im 21. Jahrhundert? Herausforderungen, Möglichkeiten, Perspektiven« wurde als Vortrag auf dem Anarchie-Kongress in Berlin 2009 präsentiert. Der Text versucht zunächst, einige der wesentlichen Probleme zu umreißen, denen sich die gegenwärtige anarchistische Bewegung gegenübersieht, um danach Deutungsformen und Umgangsweisen mit diesen anzubieten, die uns zuversichtlich und kämpferisch in die Zukunft schreiten lassen.
Die hier versammelten Texte wurden mit der Hoffnung ausgewählt, dass jeder einzelne einen Beitrag zu dem Buch zu leisten hat und sie sich inhaltlich ergänzen. Nachdem die Texte ursprünglich unabhängig voneinander verfasst wurden, sind gelegentliche Wiederholungen unvermeidlich. Ich bitte dafür um Verständnis. Die auf Deutsch erstveröffentlichten Texte wurden mit Ausnahme formatbedingter Anpassungen und einiger orthographischer Korrekturen unverändert abgedruckt.
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Siehe auch:
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