Die Junge Linke hat einen Text zur Ideengeschichte des Antikommunismus veröffentlicht und bitte um Kritik und Anregungen.
Was ist Antikommunismus?
Die Junge Linke gibt dazu folgende Definition:
Antikommunismus heißt hier erstmal die Ablehnung und Feindschaft gegenüber der grundlegenden Veränderung der modernen Welt – sei es durch Aufhebung von Herrschaft oder durch Veränderung der Herrschaftszwecke.
Dass diese Ablehnung keine wissenschaftliche Kritik ist sondern Ressentiment, das sich permanent Widersprüche und Doppelstandards leistet, wollen wir im Folgenden zeigen.
Dass AntikommunistInnen gegenüber linken Bewegungen oder Theorien feindlich eingestellt waren, heißt aber nicht unbedingt, dass diese Bewegungen tatsächlich auf Kommunismus abzielten oder hinausgelaufen wären. Bewegungen mit solch grundlegenden Forderungen hat es nur wenige gegeben – denn jene Bewegungen, denen eine solche Absicht unterstellt wurde, teilten viele Ressentiments ihrer Gegner: Die Kritik an sagen wir der UdSSR oder der deutschen Sozialdemokratie, sie seien antinational, kosmopolitisch, wollten Familie und Moral zugunsten der freien Liebe zerstören und eine Gesellschaft mit möglichst wenig Arbeit einführen, wurden von den Protagonisten der ArbeiterInnenbewegung mit Empörung zurückgewiesen.
Der Antikommunismus verrät uns also viel über die AntikommunistInnen, aber wenig über die wirklichen sozialistischen, sozialdemokratischen, linkssozialistischen, kommunistischen, anarchistischen usw. Bewegungen, Parteien und Organisationen, gegen die er sich richtete. Antikommunismus ist fester Bestandteil des nationalen Bewusstseins und Immunisierungsstrategie gegen die Kritik an der bestehenden Gesellschaft. Er wird hin und wieder zum beherrschenden Thema in der nationalen Öffentlichkeit (1) und ist als Abwehr radikaler Kritik immer unterstellt. „Der Mensch ist nicht so“ mag der immer gleiche Leitsatz sein, mit dem jedwede Kritik zurückgewiesen wird.
Wer ist die Junge Linke?
Dazu hat die Junge Linke ein Selbstverständnis verfasst. Was mir auffällt ist ihre große Bewunderung für die Theorie vom „notwendig falschen Bewusstsein“. Damit kommt man weit, aber in der Geschichte der Linken rannten die Kritiker_innen bei dieser Theorie dann immer wieder vor die blanke Wand des „Hauptwiderspruchs“ und hatte damit zu verstummen. Sexismus, Rassismus … werden dabei also schnell zu „Nebenwidersprüchen“. Und so heißt es im Selbstverständnis der Jungen Linken:
Mit der Feststellung, daß es „drei Unterdrückungen“ (Kapitalismus, Sexismus, Rassismus) gebe, können wir wenig anfangen. Wir wollen nicht beschreiben, sondern erklären: Wie hängen z.B. politische Ökonomie, Geschlechterverhältnisse und Sortierung der Welt in Rassen und Völker zusammen?
Vielleicht lässt sich dieses Selbstverständnis ja auch eines Tages mal überarbeiten.
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